Selbstwahrnehmung – oder: Was du siehst, wenn du aufhörst wegzuschauen
Kennst Du das? Es gibt einen Moment, kurz bevor du auf eine Nachricht antwortest, die dich geärgert hat.
Einen Bruchteil einer Sekunde, in dem du weißt, dass du gleich etwas sagen wirst, das du vielleicht bereust.
Die meisten Menschen überbrücken diesen Moment so schnell, dass sie ihn gar nicht bemerken.
Selbstwahrnehmung beginnt nicht mit Reflexionsübungen oder Tagebuchschreiben. Sie beginnt mit diesem Moment.
Mit der Bereitschaft, ihn nicht zu überbrücken.
Das klingt klein. Ist es aber nicht.
Wer sich selbst wahrnimmt, nimmt nicht nur wahr, was er fühlt — sondern auch, was er tut, wenn er nicht hinschaut.
Welche Muster sich wiederholen.
Welche Situationen Dich jedes Mal gleich reagieren lassen, obwohl Du Dir jedes Mal vorgenommen hat, anders zu reagieren.
Der Körper ist dabei ehrlicher als der Kopf. Er zeigt an, was der Kopf noch wegdenkt.
Eine Anspannung im Schulterbereich bei einem bestimmten Gespräch.
Ein flacherer Atem, bevor eine Entscheidung getroffen werden muss.
Diese Signale sind keine Metaphern — sie sind Information.
Selbstwahrnehmung bedeutet nicht, sich ständig zu beobachten.
Das wäre sehr anstrengend und erschöpfend und würde nichts verändern.
Es bedeutet eher: ab und zu wirklich hinschauen und dabei nicht sofort zu bewerten, was man sieht.
Was bemerkst du, wenn du dir selbst ehrlich begegnest?
